Ring-Matinee 4: Geschlecht/er

Richard Wagner (Illustration von Sebastian Hammwöhner und Gabriel Vormstein)

Der scheinbar in die Natur eingeschriebene Unterschied der Geschlechter, egal ob dynastisch oder biologisch verstanden, gehört zu den Grundkonstanten in Religion, Philosophie und Mythologie. Daran hat auch die Moderne nichts ändern können, seit das Genus (um das Wort Geschlecht zu umschiffen) als kulturell geformte Bedingung von Biographie verstanden wird.

Wagners Arbeit am Mythos verhandelt zugleich den Gegensatz von Mann und Frau, den Kampf um Rollenzuweisung sowie die Frage, welche Geschlechtslinien noch immer die Welt prägen.
Und so vorwärtsdrängend der Handlungsverlauf des Rings auch erscheinen mag: Auffallend und ausladend sind Szenen, in denen die Protagonisten ihre Vergangenheit, Herkunft und Verwandtschaftsbeziehungen befragen: Alberich, Mime und die Gibichungen, die Rätselszene zwischen dem Wanderer und Mime sowie die verworrenen Verstrickungen Wotans und seiner Kinder Siegmund und Sieglinde – alles dies erzählt von Geschlechterverhältnissen, die in der Gegenwart ihre Brisanz nicht verloren haben.

„Wer ist mir Vater und Mutter?“ – ohne Antwort auf diese Frage ist Siegfried nichts. Selbst die utopische Liebe der Zwillinge kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie eng verzahnt oder verhängnisvoll aufeinanderbezogen die Begriffe Geschlecht und dessen Plural Geschlechter sind. Ob es heute neue Auswege gibt?

 
Termin

Sonntag, 15. April 2012
Nationaltheater
11.00 Uhr
€ 10.-
Alle sieben Ring-Matineen im Paket € 56.- (20% Rabatt gegenüber dem Einzelkauf) zzgl. € 3.- Bearbeitungsgebühren
 


Okka von der Damerau, Gesang
Anna Hauner, Klavier

Lydia Hartl, Psychologin, Medienwissenschaftlerin und Kulturmanagerin
Barbara Zuber, Theaterwissenschaftlerin
Nikolaus Bachler, Intendant
Miron Hakenbeck, Dramaturg
Jürgen Schläder, Theaterwissenschaftler